Wie inklusiv ist Bamberg?
Ein Blick auf Parteien und Universität
Wieso ist das Thema wichtig?
Rund 16 % der Studierenden haben eine studienerschwerende Beeinträchtigung und treffen in ihrem Unialltag teilweise auf zusätzliche Hürden, weil Hochschulen oft nicht für sie gemacht sind. (DHZW, 2023, S. 5) (https://www.studierendenwerke.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/beeintraechtigt_studieren_2021.pdf)
Für Menschen mit motorischen Einschränkungen werden Hindernisse wie fehlende Aufzüge oder schwere Türen täglich zu echten Barrieren.
Auch andere Formen von Barrieren sind weit verbreitet. Viele Räume sind zu hell oder zu laut, was für Menschen mit Migräne, Autismus oder einer sensorischen Verarbeitungsstörung zur Belastung werden kann.
Hinzu kommt der bürokratische Aufwand bei Nachteilsausgleichen. Anträge, Atteste und lange Wartezeiten gehören für viele zum Alltag.
Menschen mit Behinderungen haben die Fähigkeiten, den Willen und die Zulassung zu studieren. Darüber hinaus haben sie gemäß Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention das Recht auf gleichberechtigten Zugang zu Bildung.
Trotzdem treffen sie auf ihrem Weg zum Abschluss immer wieder auf die strukturellen Probleme unserer nicht inklusiven Universität.
An den Türen der Vorlesungssäle hört der Bedarf für Inklusion nicht auf. Mehr als 16 % aller Bürger:innen in Bamberg leben mit einer Behinderung (Strukturstatistik SGB IX, ZBFS Bayern, Stand 31.12.2024)und treffen tagtäglich auf Barrieren. Sei es beim Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel, in der Schule oder auf dem Arbeitsmarkt. Die Inklusion und Barrierefreiheit in der Stadt voranzutreiben, das ist Aufgabe des Stadtrats. Doch wie viel Platz räumen Bambergs Parteien diesem Thema ein? Wir haben uns alle Wahlprogramme aus dem Kommunalwahlkampf 2026 angeschaut und kritisch beleuchtet.
Inklusion im Kommunalwahlkampf in Bamberg 2026
Die folgende Tabelle stützt sich auf den im Internet zugänglichen Wahlprogrammen der gewählten Stadtratslisten bei der Bamberger Kommunalwahl 2026. Die Parteien sind sortiert nach den ihnen zugesprochenen Sitzen, resultierend aus dem Wahlergebnis vom 8. März 2026. Die gemachten Angaben entsprechen keiner wissenschaftlichen Analyse der Wahlprogramme. Sie wurden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, können jedoch durch individuelle Interpretationen verfälscht sein.
Dass sich seit der Wahl einige Parteien aufgeteilt haben (insbesondere CSU/CSB) und eventuell nicht mehr die ursprünglichen Positionen aus dem Wahlprogramm vertreten, wird nicht berücksichtigt. Bei „Bambergs Mitte“ beziehen wir uns auf das Wahlprogramm von 2020, da sich zum Zeitpunkt unserer Recherche im Internet kein aktuelleres Programm hat finden lassen.
Des Weiteren haben wir uns dazu entschieden die AfD bei unseren Betrachtungen auszuschließen. In mehreren Bundesländern wurde die Partei vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft und auch in Bayern ist sie als Verdachtsfall unter Beobachtung. Diesem Gedankengut wollen wir in unserem Flyern keine Aufmerksamkeit schenken und damit den Eindruck vermitteln, dass sie die AfD eine Partei wie jede andere ist sei. Aus den Reihen der Mitglieder gibt es hinreichend Belege für den dort herrschenden Ableismus. Maximilian Krah bezeichnete so zum Beispiel die Tagesschau in einfacher Sprache als „Nachrichten für Idioten“ (Kaiser-TAZ, 18.8.2024). Der rechtsextreme Björn Höcke bezeichnete die Inklusion als ein „Ideologieprojekt“, von dem man das Bildungssystem „befreien“ müsse, da sie „unsere Schüler nicht weiterbringen“ und „nicht leistungsfähiger machen“. Sie helfen nicht dabei „aus unseren Kindern und Jugendlichen die Fachkräfte der Zukunft zu machen“. (Müller & Baumgärtner, Spiegel, 09.08.2023). Auch im AfD-Programm für Sachsen-Anhalt finden sich ähnliche Zitate, die darauf abzielen Inklusion einzuschränken. Um nur ein Beispiel zu nennen: “Weder soziale und psychologische Betreuung noch Integration und Inklusion, sondern allein die Vermittlung von Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) und Bildungsgütern ist Aufgabe der Schule.” (AFD-Wahlprogramm, 2026) Wir sind uns einig darin, dass eine genaue Betrachtung der AfD auf Gesichtspunkte der Inklusion deshalb sowieso überflüssig ist.
Auswertung
Es lässt sich deutlich erkennen, dass viele Parteien in ihren Programmen zu Positionen im Bereich Inklusion eine eklatante Lücke aufweisen. So lässt sich in den Wahlprogrammen insgesamt 70 Mal keine Position zu den Kategorien finden. Darüber hinaus gibt es 54 Mal eine Zustimmung.
Auffällig ist, dass es dennoch keine inhaltlichen Verneinungen gibt. Während politisch viele Themen im Bamberger Wahlkampf kontrovers diskutiert wurden, spricht sich keine Partei aktiv gegen zusätzliche Maßnahmen in der Inklusion aus.
Hinzu kommt, dass einige zentrale Bereiche des Lebens nicht berücksichtigt werden. Bei den Kategorien „Barrierefreiheit in öffentlichen Einrichtungen“, „Mehr barrierefreie Räume im Alltag“ und „Barrierefreie städtische Informationsangebote“ gibt es mit jeweils 7 vermerkten Fragezeichen mehr als es Zustimmung gibt.
Bei den Themen „Inklusives Bildungssystem“ (9 Fragezeichen) und „Barrierefreies Kulturangebot“ (8 Fragezeichen) sind es noch mehr. Am ausgeprägtesten sind allerdings fehlende Positionierungen mit jeweils 11 Fragezeichen bei den Themen „Barrierefreie Standards bei Neubauten“ und „Inklusion bei der Arbeit“. Da Bamberg über mehrere inklusive Wohnheime und Projekte verfügt, ist das überraschend. Hinzu kommt, dass es in der Stadt mit der „Lebenshilfe Bamberg“ einen großen Arbeitgeber gibt. Dennoch taucht das Thema kaum in den Programmen auf, als würde die Arbeit nur das Leben von Menschen ohne Behinderung prägen.
Inklusion an der Uni Bamberg, Ansprechstellen, Rückblick auf unsere Aktion, Verbesserungsbedarf an der Uni
Die Verantwortung, sich um das Thema Inklusion zu bemühen, endet nicht bei der Politik. Es ist eine Verantwortung, die wir alle und somit auch unsere Universität tragen. Um darauf aufmerksam zu machen, haben wir uns an der Universität umgeschaut, umgehört, einen Rollstuhlparcours durchgeführt (siehe Titelbild) und mit Verantwortlichen der Universität über aktuelle Mängel gesprochen. Was uns dabei aufgefallen ist, findet sich im Folgenden. Es ist wichtig zu erwähnen, dass wir dabei zwangsläufig vieles übersehen, weil wir aktuell nicht Betroffene sind und wir nicht jede Barriere erkennen, die unsere nicht inklusive Gesellschaft schafft.
Die Universität Bamberg hat bis dato keine verlässlichen Zahlen zum Bedarf zur Barrierefreiheit an der Universität. Dadurch werden vermutlich Stimmen nicht gehört und übersehen, die auf unterschiedliche Hindernisse aufmerksam machen würden. Darüber hinaus verfügt die Universität zwar, in Form eines Foliensatzes, der Bedarfe abfragt, mittlerweile über ein Konzept, um abseits von baulichen Hürden auch andere Barrieren in Seminaren abzubauen. Von Studierenden unterschiedlichster Fakultäten, wissen wir, dass die Dozierenden diesen Foliensatz aber nur in den wenigsten Fällen zu Beginn des Semesters berücksichtigen. Wir fordern die Universität deswegen dazu auf, die Dozierenden ausreichend zu schulen, damit diese mit der nötigen Sensibilität auf das Thema aufmerksam machen und auf einzelne Bedarfe eingehen können. Solange dieser Schritt noch nicht erfolgt ist, können die Dozierenden sich mit genügend Eigeninitiative selbst informieren und Workshops zum Thema besuchen. Zu finden sind diese unter „Informationen für Lehrende“ auf der Seite „Kontaktstelle Studium und Behinderung“ (https://www.uni-bamberg.de/bafbs/).
Außerdem gibt es Orte an der Universität, die überhaupt nicht barrierefrei sind. Dazu zählt zum Beispiel das Gebäude U5. Der Denkmalschutz erschwert es insbesondere in der Innenstadt Maßnahmen zu ergreifen, damit alle Räume und Bibliotheken für alle erreichbar sind. Außerdem sorgen straffe Haushaltspläne und zu geringe Mittelzuweisungen dafür, dass nötige bauliche Maßnahmen nicht ergriffen werden können, oder weitere strukturelle Probleme bestehen bleiben. So können Mitarbeitende der Uni, die aufgrund von beispielsweise Seh- oder Hörbeeinträchtigungen Anspruch auf bestimmte Hilfsmittel von der Krankenkasse hätten, diese nicht beantragen, da ihnen nur befristete Verträge angeboten werden, die nicht oder nur kurzfristig verlängert werden. Für die Beantragung bei der Krankenkasse sind jedoch längerfristige und verlässliche Anstellungsverhältnisse notwendig.
Wir sehen die Stadt Bamberg, den Freistaat Bayern, aber auch die Bundesregierung in der Verantwortung, ausreichend Fördermaßnahmen zu ermöglichen. Die Universität muss diese Forderung in ihren Gesprächen mit dem zuständigen Wissenschaftsministerium an die Politik tragen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Der Weg zur inklusiven Gesellschaft ist noch weit. Wir hoffen, dass wir mit unserem Beitrag zumindest ein bisschen dazu beitragen können das wir dieser Utopie näherzukommen. Bis dahin gilt: Weitermachen!
Wenn ihr auf Inklusion angewiesen seid oder euch an der Universität Orte auffallen, die nicht barrierefrei sind, könnt ihr euch an die folgenden Anlaufstellen wenden:
– Kontaktstelle Studium und Behinderung (https://www.uni-bamberg.de/bafbs/)
– Antidiskriminierung an der Universität Bamberg (https://www.uni-bamberg.de/antidiskriminierung/antidiskriminierungsstelle/ )
– Sozialberatung für Studierende vom Studierendenwerk Würzburg (https://www.swerk-wue.de/bamberg/beratung/sozialberatung)
– Schwerbehindertenvertretung für Angestellte an der Universität Bamberg (https://www.uni-bamberg.de/sbv/)
Quellen:
16 % in Bamberg haben Behinderung: https://www.stadt.bamberg.de/B%C3%BCrgerservice/%C3%84mter/Menschen-mit-Behinderung/
TAZ-Artikel: https://taz.de/Menschen-mit-Behinderung/!6027886/, zuletzt aufgerufen am 14.07.2026
Spiegel-Artikel: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-bjoern-hoecke-entsetzt-mit-aeusserungen-zu-schuelern-mit-behinderungen-a-3f3f98b3-59f5-4e73-97af-67104fe24f9d, zuletzt aufgerufen am 14.07.2026
AFD-Wahlprogramm Sachsen-Anhalt: https://afd-regierungsprogramm.de/, zuletzt aufgerufen am 14.07.2026
Wahlprogramme:
GRÜNE
https://www.gruenes-bamberg.de/wp-content/uploads/2026/01/Wahlprogramm-Vollversion.pdf
CSU
SPD
https://www.niedermaier2026.de/downloads/kommunalwahlprogramm.pdf
BuB
https://www.bam-berg-kann-mehr.de/kontakt/wahlprogramm
BBB
https://www.bamberger-buergjaer-block.de
Zwiebel
https://zwiebel-bamberg.de/programm/
Volt
FDP
https://www.fdp-bambergstadt.de/unser-programm
Freie Wähler
https://www.fw-bamberg.de/unser-wahlprogramm-2026
ÖDP
https://www.oedp-bamberg.de/programm/was-sind-die-ziele-des-oedp-kreisverbandes-bamberg
Bambergs Mitte
https://bambergs-mitte.de/wp-content/uploads/2019/12/Wahlprogramm-Bambergs-Mitte-2020.pdf
Linke
Kooperationsvereinbarung
https://www.radio-bamberg.de/neue-wege-fuer-bamberg-2182623/
Dieser Artikel wurde vom Referat für Soziales verfasst.